Über unser Projekt

Die Idee

Nach dem Motto „Am interessantesten ist die Innenseite der Außenseiter.“ (Jean Genet, frz. Schriftsteller) beschäftigten sich Jugendliche multimedial mit Menschen, die in unserer Gesellschaft nicht oder nur teilweise integriert sind. Die Idee kam den Jugendlichen im Auto - auf der Rückfahrt vom Medienpädagogischen Preis 2013. Die Preisgelder des erfolgreichen Projektes „Verbrecherjagd 3.0 – Leipziger Handykrimitour“ (www.verbrecherjagd.wordpress.com) sollten in eine neue Idee fließen, da waren sich alle einig.

Hierfür wählten sich die Jugendlichen „Gothics“, „Behinderte“ und „Migranten“ als einzelne Gruppierungen aus, die sie näher kennen lernen und befragen wollten. In den Medien wird oft über die Anhänger der „Schwarzen Szene“ ein Angst einflößendes Bild gezeichnet, Migranten oder Asylbewerber tauchen nur in negativen Zusammenhängen auf oder Behinderten werden sehr stereotyp dargestellt. Für das Projekt wurden „Außenseiter“ ausgewählt, die aufgrund ihrer Interessen, ihres Körpers oder ihrer Herkunft ausgegrenzt werden. Die Jugendlichen wollten gern herausfinden, welche Erfahrungen die einzelnen Personen mit Integration gemacht haben, ob sie sich selbst als Außenseiter wahrnehmen, was Menschen im Allgemeinen über Außenseiter denken und was wir ALLE im Speziellen für eine besseres Miteinander tun können.

Da es sich um ein medienpädagogisches Projekt handelt, steht die Förderung der Medienkompetenz der Teilnehmer im Fokus, hierzu zählt die Recherche und Bewertung von Informationen zum Thema, die Handhabung der verwendeten Medientechnik sowie die kritische Auseinandersetzung mit Medienbeiträgen.

Die Projektarbeit bei „OutsideIN“ stellte eine große Herausforderung dar, denn sobald wir eine Gruppe als „Außenseiter“ bezeichnen, grenzen wir sie von uns ab und schließen sie damit aus. Selbst in unseren Sprachgebrauch haben sich Ausdrücke wie „das ist ja behindert“ eingeschlichen, ohne dass wir damit gezielt Behinderte beleidigen wollen.

Das Ziel des Projektes ist die Förderung der Toleranz und des Respektes aller Menschen untereinander, ohne den Anspruch zu haben, das Thema umfassend und in all seinen Facetten abzubilden. Es handelt sich bei „OutsideIN“ um eine Auseinandersetzung und Annäherung der Jugendlichen an das Thema. Dabei stellten die Teilnehmer fest, dass eigentlich jeder in bestimmten Situationen ein Außenseiter sein kann. Oder nach den Worten des US-amerikanischen Schriftstellers Edward Franklin Albee: „Wenn man eine Gesellschaft kritisieren will, muss man Außenseiter dieser Gesellschaft sein.“

Ergebnis und Zielgruppe

Entstanden ist eine Webseite, die sich als multimediales Angebot mit vielen Beiträgen (Interviews, Informationsangeboten, Spielen etc.) zum Entdecken versteht. Ziel ist es, Barrieren abzubauen und das Thema Toleranz auf eine etwas andere Art und Weise darzustellen. Die Projektgruppe freut sich sehr, wenn Bildungseinrichtungen das Angebot für die Auseinandersetzung mit Interessensgruppen, Behinderten oder Migranten einbeziehen. Es eignet sich beispielsweise der Einsatz im Sozialkunde-, Gemeinschaftskunde- oder Ethikunterricht.

Exkurs: Außenseiter in Leipzig

„Gothics“

Die Stadt Leipzig ist seit über 20 Jahren Gastgeber des alljährlichen Wave-Gotik-Treffens (kurz: WGT), ein Musik- und Kulturfestival für die Alternative- und „Schwarzen Szene“ und damit ein fester Bestandteil der Szene.

„Behinderte“

Der Anteil schwerbehinderter Personen mit gültigem Ausweis entspricht ca. 8 Prozent der Leipziger Bevölkerung. Somit leben in Leipzig 42.800 Menschen mit Schwerbehinderung, davon sind 18.700 Menschen unter 65 Jahre.

„Migranten“

Nach Angaben der Stadt Leipzig haben fast 10 Prozent der Leipziger einen Migrationshintergrund. Sie stammen vor allem aus Russland, der Ukraine, Polen, Vietnam, der Türkei oder Kasachstan. Der Großteil der Zuwanderer ist aus beruflichen Gründen, Familiennachzug oder wegen einem Studium nach Leipzig gezogen.

Projektdurchführung

Das multimediale Projekt „OutsideIN – Ein Projekt für mehr Toleranz in Leipzig“ wurde von Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren von Mai bis August 2014 im SAEK Leipzig (Sächsischer Ausbildungs- und Erprobungskanal) durchgeführt. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass sich die Teilnehmer selbst dieses Thema wählten. Sie übernahmen hierfür die Konzeption der Webseite, die Recherche nach Gesprächspartnern, die Interviewführung, die Dreh- und Schnittarbeiten, die grafische Gestaltung sowie die Programmierung der Webseite und der Spiele.

Unterstützt wurden die Teilnehmer von den Medienpädagoginnen Stephanie Gibtner und Jördis Dörner vom SAEK Leipzig sowie dem Softwareentwickler Stefan Kassler.

Mai bis Juli 2014: Konzeptionsphase (Konzeption des Projektes, Recherche von Ansprechpartnern in Kleingruppen)

21.07.-25.07.2014: Produktionsphase

Projekttagebuch aus Sicht der Teilnehmer

Montag, 21.07.2014

Am ersten Projekttag gab es eine kurze Kennenlernrunde für alle Beteiligten. Danach ging es dann um unser Projekt: Das Thema wurde besprochen und die Umsetzung und das Design mit allen abgestimmt. Nach dieser langen Planung wurde dann angefangen, die Seite zu programmieren und erste Grafiken zu entwerfen. Außerdem wurde am Nachmittag eine Umfrage zum Thema „Migration“ in der Stadt durchgeführt.

Dienstag, 22.07.2014

Der Dienstag begann mit einem spannenden Interview mit dem Neuseeländer Daniel. Damit hatten wir wieder spannendes Material für unsere Seite gefunden. An dieser wurde wieder ununterbrochen weitergebaut und es wurde ein erstes Spiel entwickelt. Dafür mussten natürlich auch wieder weitere Grafiken erstellt werden. Da wir uns aber auch eine Meinung über Behinderte und Behindertenwerkstätten bilden wollten, haben wir die Werkstatt „Diakonie am Thonberg“ für körperlich behinderte Menschen besucht.

Mittwoch, 23.07.2014

Am dritten Projekttag wurde ein weiteres Interview mit der Russin Julia, die schon länger in Deutschland lebt, geführt. Natürlich ging die Arbeit an unserer Webseite und der Grafik unermüdlich weiter. Dann gab es eine besondere Überraschung: Der Leipziger Krimibuchautor Henner Kotte, der uns beim letzten Projekt unterstützt hat, besuchte uns und hat sich einen Einblick in unser neues Projekt geschaffen und seine Meinung dazu abgegeben.

Donnerstag, 24.07.2014

Am Donnerstag wurden Texte für die Seite, an der nach wie vor gearbeitet wurde, erstellt. Des weiteren wurden Grafiken gezeichnet und Interviews mit behinderten Menschen und einem Algerier geführt. Außerdem schrieben wir das Script für unseren Werbespot „Super Toleranz“.

Freitag, 25.07.2014

Am letzten Tag wurde dann der Werbeclip gedreht und geschnitten und es ging in den Endspurt. Das heißt, es wurden letzte Grafiken erstellt und in die Seite eingebunden, die Programmierungen wurden fertiggestellt und unser multimediales Material noch vervollständigt und eingebettet.

Internetseite:

edmedien.de/outsidein

Kontakt:

Ansprechpartnerinnen: Jördis Dörner, Stephanie Gibtner
edmedien GmbH / SAEK Leipzig
Rosa-Luxemburg-Str. 29, 04103 Leipzig
Tel.: 0341/ 519 43 63
www.saek.de/saek-studios/leipzig